DAS GEHEIMNIS DER JUNGFRAUENHÖHLE

Reiseroman

Tb / Pb / S. 250 / Preis 13,90 EUR

ISBN 978-3-942199-60-5


#FRIEDRICH HELLMICH - Der Autor


Der Autor Friedrich Hellmich, geboren am 09.03.1952, hat sich bereits mit den Veröffentlichungen mehrer Reiseführer und Kurzgeschichten einen Namen gemacht. 

Er bereiste 2 Jahre die Welt und verbarchte 4 Monate auf der Osterinsel. Dort entstand auch das Manuskript für diesen Roman "Das Geheimnis der Jungfrauenhöhle", welches auf dieser Insel spielt. 

Fesselnd und spannend ist die Geschichte eines jungen Journalisten der auf die Osterinsel reist und dort eine ebenso junge Archäologin kennenlernt. Gemeinsam erleben sie ein ungewollt, gefährliches Abenteuer, dass die Mystik der Insel und deren Bewohner dem Leser eindrucksvoll näher bringt. 

Das Buch verfügt über 30 Tuschezeichnungen vom Autoren Hellmich.

LESEPROBE:

Mein Auto folgte einer unsichtbaren Spur, die wie es mir schien, sich vor mir auf dem Asphalt befand und es schwebte dahin, dahin auf dem dunklen Fahrbahnbelag der nur vom Mondlicht und meinen Scheinwerfern beschienen wurde. Kleine silberne Wassertümpel tauchten immer wieder vor mir auf, und verschwanden genauso schnell, wie sie erschienen waren, kurz bevor ich darüber hinweg fuhr. Ich fuhr auf einer Autobahn. kommend von Mailand, nach Piemont und weiter nach Ligurien, bis an das Mittelmeer. Um dann weiterzufahren, durch zahlreiche Tunnels, bis an die italienische Staatsgrenze. Dort werde ich bei dem Grenzstädtchen Ventimiglia Italien verlassen um dann in Frankreich, immer an der schönen Küste der Cote d’Azur entlang, Monaco und Nizza links von der Autobahn liegend lassend, um dann die einst alte römische Stadt Antibes zu erreichen.

 Aber noch war es nicht soweit. Links und rechts der Autobahn zogen dunkle Büsche und Bäume an mir vorbei. Hügel und Olivenbäume waren nur schemenhaft zu erkennen. Hin und wieder sah ich ein Haus oder war es ein einsamer Bauernhof? Ebenso schwach vom Mondlicht beleuchtet. Durch einige Fenster schimmerte fahles orangenfarbenes Licht.  Auf einem Hügel vor mir glitzerten und funkelten die Lichter einer kleinen Stadt oder einem Dorf. Und schon verschwanden sie wieder, augenblicklich, als ich in einen Tunnel fuhr. Grellgelb war das Innere des Betonschlundes von zahlreichen Deckenlampen ausgeleuchtet. Sie rasten über mir vorbei und blendeten meine übermüdeten Augen. Nur selten kam mir ein Auto entgegen, und noch seltener wurde ich von einem überholt. Jetzt im hellen Tunnel hatte ich die Gelegenheit auf die Uhr, am Armaturenbrett des Autos, zu schauen. Es war drei Uhr morgens.     Schon war wieder die Tunnelfahrt zu Ende und ich fuhr wieder in die nächtliche Dunkelheit hinaus. Die Landschaft hatte sich jetzt etwas verändert. Unbemerkt bin ich im Tunnel einer Steigung gefolgt und so sah ich, als sich meine Augen wieder an die Nacht gewöhnt hatten, das Meer unterhalb der Autobahn  im Mondlicht glitzern. Ich öffnete das Seitenfenster und ließ die würzige Meeresluft herein. Dann schaltete ich den CD-Player ein um mir mit den aufreibenden und auch zärtlichen Klängen der Zauberflöte von Mozart die immer grösser werdende Müdigkeit, die sich in meine Gedanken und Glieder schlich, zu verscheuchen. Meine Gedanken schweiften ab, zurück in meine Heimat. Dort war ich vor einigen Stunden gestartet. Ich schaute auf meinen linken Fuß. Nein, die Wunde schmerzte nicht mehr. Ich konnte kaum auftreten und nur unter Schmerzen gehen, jedoch das Autofahren stellte sich als unproblematisch heraus. Dies war meine größte Sorge vor Reiseantritt gewesen, denn ich hoffte, die vielen Kilometer, von meiner Heimatstadt bis nach Antibes ohne Zwischenfälle zu bewältigen, denn ich hatte einen längeren Krankenhausaufenthalt hinter mir. Mein linker Fuß war durch einen Unfall komplett zertrümmert worden. Dies wäre nach dem heutigen Stand der Medizin kein größeres Problem gewesen aber ich war damals sehr weit von jeder modernen Zivilisation entfernt, so dass ich nicht sofort nach dem Unfall in ein gut ausgerüstetes Krankenhaus gebracht werden konnte. Mein Zustand verschlechterte sich damals von Tag zu Tag und ich bekam eine schwere Infektion, die sich bis in die Knochen meines Fußgelenkes fraß.

     Als ich endlich nach einer Woche von dieser Insel, auf der das Unglück geschah, ausgeflogen werden konnte, war die am nahe gelegenste Destination Santiago de Chile. Aber meine Infektion war schon so weit fortgeschritten, dass die Chirurgen im dortigen Hospital erwogen, meinen Fuß zu amputieren.    „Nein!“ Das konnte ich nicht zulassen. Wenn es das Schicksal wollte, dann nicht in einem fremden Land, weit weg von meiner vertrauten Heimat. Ich wollte nach Hause. Und so konnte ich nach einigen angstvollen Wochen endlich in meiner Heimatstadt landen, um mit dem Ambulanzauto sofort in eine Universitätsklinik gefahren zu werden.     Ich wurde von zwei Diensthabenden Ärzten untersucht und anschließend in einen Operationsraum gebracht und operiert. 

    Als ich aus der Narkose erwachte, fand ich mich in einem hochgelegenen Zimmer der Universitätsklinik wieder. Zu meiner Überraschung waren die Gedanken sofort klar und ich verspürte keinerlei Nebenwirkungen der Narkose und stellte erleichtert fest, dass ich auch keine Schmerzen spürte. Ich blickte um mich und erkundete mein Zimmer. Gegenüber stand ein weiteres Krankenbett. Jedoch war es leer. Ein Tisch und drei Stühle, wahrscheinlich für Besucher, befanden sich nahe einem riesigen Fenster. Am Fußende, direkt am Bettgestell war ein elektronisches Gerät, etwa so groß wie eine Autobatterie, angebracht. Es gab leise, gurgelnde Geräusche von sich und ein grünes Lämpchen blinkte fortwährend. An der Seite des Gerätes waren zwei durchsichtige Schläuche im Durchmesser von den Bremsschläuchen eines PKWs angebracht, die sich im weiteren Verlauf  unter meiner  Bettdecke  versteckten.  In   diesen Schläuchen befanden sich Perlen von hellrotem Blut, die sich langsam an den Innenwänden entlang bewegten, bis auch sie unter meiner Bettdecke am Fußende verschwanden. Panikartig schlug ich die Bettdecke zurück, und mit unendlicher Erleichterung sah ich, dass die Schläuche in einem mit stark umwickeltem Verband, an meinem linken Fuß endeten. Wie zur Bestätigung bewegte ich ihn hin und her und er folgte meinen gedanklichen Anweisungen. Ich beugte mich etwas vor und voller Dankbarkeit an das Schicksal gerichtet streichelte ich den Verband und meine Hände spürten meinen Fuß. Er war mir nicht amputiert worden. Diesen rettenden Umstand  hatte ich einer segensreichen Erfindung aus den USA zu verdanken. Sie wurde erfolgreich im Irak Krieg der Neunziger Jahre, bei vielen verwundeten Soldaten eingesetzt. Durch diese medizinische Erfindung wurde der Fluch der Infektionen, und somit der Schrecken aller Ärzte, fast endgültig bezwungen. Es war die Behandlung mit einer so genannten Vakuumtherapie, die ich hier genauer erklären möchte, aus dem Grunde der Genialität und Einfachheit der Behandlung, sowie auch für den enormen Erfolg einer vollständigen Genesung führend. 

Diese Vakuumbehandlung, zur septischen Wundheilung bestimmend, besteht aus einem Wundverschluss in Kombination mit einem Abtransportsystem, ausgelöst durch eine Vakuumpumpe. Durch Ausübung eines Unterdruckes auf die Wunde wird der Wundverschluss erleichtert und dadurch beschleunigt. Mittels dieser Pumpe wird ein kontrollierter, örtlich begrenzter negativer Druck in einer Wunde erzeugt und dadurch der Heilungsprozess herbeigeführt. Dies geschieht durch Absaugen von Wundsekret und der damit einhergehenden Säuberung der Wunde. Somit wurde meine Wunde, die nach acht chirurgischen Eingriffen, entstanden ist, verkleinert, sowie die Durchblutung in der Wunde gefördert. Im weiteren Verlauf bildete sich Granulationsgewebe, also eine Erneuerung des Gewebes. Danach war eine ambulante und später häusliche Behandlung, durch mich selbst, möglich.

 

    Das Rauschen eines schnell vorbeifahrenden Autos holte mich in die Wirklichkeit zurück. Es dauerte jedoch nicht lange und meine Gedanken schweiften erneut ab. Meine Gedanken flogen zur Südsee. Weit weg von meinem derzeitigen Aufenthaltsort. Sie flogen über das Mittelmeer, folgend meinen Erinnerungen, einer fast gänzlichen Weltumrundung, bis ich zur einsamsten Insel der Erde ankam.  Zur Osterinsel oder auch Rapa Nui genannt. Ihre geographische Lage lässt sich poetisch in etwa so beschreiben:

 

    Stellen sie sich vor: Sie klettern auf den höchsten Punkt der Osterinsel, auf den 507 Meter höchsten Berg, den die Bewohner Maunga Terevaka nennen. Sehen sie jetzt nach rechts: Nichts als Meer, nur 3.700 Kilometer offene See bis zur Küste Südamerikas. Sehen nun nach links: 4.500 Kilometer Welle an Welle bis nach Tahiti in der Südsee. Sehen sie jetzt hinter sich: 5.600 Kilometer Wasser - bis zu den Eisbergen des Südpols. Sehen sie nach Norden: Mehr als 3.800 Kilometer sind es bis zu den Gestaden der Galapagos-Insel, und die Entfernung von Deutschland beträgt stolze 14.500 Kilometer. Jetzt gerade haben sie erfahren, was es bedeutet, sich auf der einsamsten Insel der Welt zu befinden.

    Auf dieser nur 27 Kilometer langen und 12 Kilometer breiten Insel, gleichend einem gleichschenkligen Dreieck, das dem verkleinerten  Sizilien  ähnelt,  widerfuhr mir das abenteuerlichste, schrecklichste,   kurioseste  und  mystischste  Abenteuer, das mir jemals in meinem bisherigen Leben widerfahren war. Der plötzlich einsetzende Regen brachte meine Aufmerksamkeit wieder auf die Autobahn und somit zu meiner Gegenwart zurück. Ich konzentrierte mich auf die nasse, glänzende Fahrbahn und ein Hinweisschild zeigte mir, dass ich nur noch 35 Kilometer bis zur Staatsgrenze Frankreichs entfernt war. Der Regen wurde stärker und begleitete mich schließlich bis Antibes. Endlich, im Morgengrauen, schloss ich die Haustüre zu meiner kleinen Wohnung in der Rue de Palmiere auf.

     Nach drei Tagen Dauerregen saß ich in meinem Lieblingscafe am Marktplatz der Altstadt von Antibes, und beobachtete die Menschen auf den Straßen, den engen Gassen, und das geschäftige Treiben an den Marktständen, die schon seit Stunden geöffnet hatten. Natürlich sitze ich nicht im einzigen Cafe an diesem Marktplatz. Wie es eben französische Art ist, haben sich zahlreiche Cafés, Bistros und Souvenirläden rund um den Platz angesiedelt. Jedoch in diesem Cafe fühlte ich mich von der ersten Stunde an, seit ich diese Stadt vor drei Jahren besucht hatte, sehr wohl, und zudem hatte man den besten Überblick auf die Ereignisse die sich rund um diesen Platz abspielten. Die Besitzer der Cafés hatten ihre Stühle und Tische ins Freie, auf die breiten Gehsteige gestellt, und bald füllten sich die Sitzplätze mit Gästen. Die Sonne bestrahlte zuerst noch schüchtern den Marktplatz und schien sich ängstlich hinter den Häuserfassaden verstecken zu wollen.

DAS GEHEIMNIS DER JUNGFRAUENHÖHLE

Friedrich Hellmich

Tb / Pb / S. 250 / Preis 13,90 EUR

ISBN 978-3-942199-60-5

© Design Pavoni®