#REGINA REISCH - Die Autorin

 




#IM SCHATTEN VON SANTA CRUZ 

Das Buch

Tb / Pb / S. 296 / Preis: 11,90 EUR

ISBN 978-3-942199-50-6


Leseprobe: 

Unter Menschen 

 

W

ir ließen das riesige Schild an der Einfahrt der Schule hinter uns, auf das in Großbuchstaben „High School Santa Cruz“ gedruckt worden war. Unsere Wege trennten sich wie immer schon nach der zweiten Kreuzung. Freya wohnte gleich hier in der Nähe, nur ein Stück weiter im Herzen von Santa Cruz. Ich spürte, wie sie mir nachblickte und erst, als ich mich umdrehte und noch einmal die Hand hob, trat sie ebenfalls in die Pedale. Ich musste noch ein kurzes Stück durch die Stadt fahren, ehe mir die erste salzige Meeresluft um die Nase wehte. Der Ozean erstreckte sich nur wenige hundert Meter entfernt von unserem Haus, das am Ende der letzten Straße, im letzten Eck von Santa Cruz lag. Wir hatten ein eigenes Haus mit einer kleinen Auffahrt, in der im Moment unser VW parkte. Eigentlich brauchten wir nicht mehr so viel Platz, meine Mutter, mein Vater und ich, aber ich hatte noch zwei große Geschwister: Theo, der ältere, fünfundzwanzig und schon vor einigen Jahren ausgezogen und Emilia, die gerade vor ein paar Wochen dreiundzwanzig geworden war und uns erst vor einem Dreivierteljahr verlassen hatte. Damals brauchten wir eben den Platz noch. Ich schob das Fahrrad an unserem Auto vorbei hinter das Haus in den kleinen Schuppen. Gemächlich nahm ich meinen Rucksack aus dem Korb, warf ihn mir über die Schulter und ging langsam wieder um das Haus herum. Ich ließ mir Zeit, die vier Stufen, die zur Veranda hinauf führten, zu erklimmen.

Oben angekommen drückte ich die Glastür auf und schob mit der gesunden Hand den Vorhang, der sich dahinter befand, beiseite. Ich spähte einmal durch den Raum; niemand war zu erkennen. Als ich lauschte, hörte ich jemanden in der Küche hantieren; bestimmt Nicole, meine Mutter. Ich konnte nur hoffen, dass es meine Mutter war, denn wenn sich mein Vater in der Küche zu schaffen machte, konnte das nichts Gutes bedeuten. Ich warf meine Tasche ein paar Stufen die Treppe hinauf, die rechts von mir in den ersten Stock führte. Dann schälte ich mich etwas ungeschickt aus meiner Jacke, schleuderte die Schuhe unter die Garderobe und ging ins Wohnzimmer, von dort dann in die Küche.

„Hi, Mom.“ Ich versuchte so normal wie möglich zu klingen und lehnte mich in den Türrahmen.   

„Hallo, Schatz.“ Sie warf mir nur einen kurzen, lächelnden Blick zu, aber sie war so beschäftig, dass sie nichts zu merken schien. Wenn Nicole kochte, schien sie alles um sich herum zu vergessen, denn es war das, was sie am liebsten machte.

Es hatte mich schon immer gewundert, warum sie nicht Köchin oder Konditorin geworden war, anstatt als Buchhändlerin zu arbeiten. Aber ihren kleinen Buchladen hier in Santa Cruz aufzugeben, das würde ihr das Herz brechen.

Sie strich sich ihre dunkelblonden, rötlichen Haare aus dem Gesicht und holte eine dampfende Auflaufschüssel aus dem Ofen, die sie auf den Esstisch balancierte.

„Und, wie war es in der Schule?“, fragte sie mich, als sie die Topflappen wieder zurück in eine Schublade räumte.

„Gut. Aber ich muss aber noch eine Menge Hausaufgaben machen, deswegen geh ich auch gleich nach oben“, erwiderte ich ausweichend. Ich wandte mich schon zum Gehen, doch Nicole kam dazwischen.

„Du musst erst meine Lasagne probieren, sonst habe ich die doch ganz umsonst gemacht. Und dein Dad kommt erst spät“, protestierte sie, sodass ich nicht anders konnte, als mich an den Tisch zu setzen.

Auf meinen Vater konnte man lange warten, denn er war Baseballtrainer und kam oft erst spät nach Hause. „Und wie war dein Tag?“

Sie nickte zufrieden. „Ebenfalls ganz gut, zwar nicht viel los im Laden, aber es gibt auch sonst genug zu tun.“ Ich hob eine Hand, um die Lasagne in Stücke zu schneiden, doch die falsche - die rechte. Ich war es einfach nicht gewöhnt, die linke für alles zu gebrauchen.

Meine Hand ruhte auf dem Messer und ich hatte es schon ein klein wenig angehoben, als ich es losließ und es zurück in die Schüssel schepperte. Meine Hand verharrte immer noch in der Luft, als meine Mutter besorgt abwechselnd mein Gesicht und meine Hand betrachtete.

„Cathy, was ist das?“, fragte sie erschrocken, als wollte sie es nicht wahrhaben, was sie sah. Ich zog die Hand hastig zurück und ließ sie unter dem Tisch verschwinden - doch es war schon längst zu spät.

„Mom, das ist nicht der Rede wert, wirklich!“, versuchte ich ihr zu versichern, doch vergebens, sie sprang auf, lief um den Tisch herum und kniete sich vor mich. „Hey, was machst du nur immer?!“ Immer? Ich hatte mir in den letzten zwei Jahren keinen blauen Fleck mehr geholt.

Sie war jetzt dabei, den Verband wieder abzuwickeln.

„Hey, Mom, lass das“, rief ich aufgebracht, „der ist ganz frisch!“

Sie wickelte unbeirrt weiter, ohne auf meine Widersprüche zu achten.

„Mom, das war eine ausgebildete Ärztin, die wird schon wissen, was sie macht.“

Sie hatte den Verband jetzt ganz abgewickelt und schaute sich die Pflaster an.

„Oh je oh je, nimm den Autoschlüssel, ich hol nur noch schnell meine Tasche.“ Sie wollte schon aus der Küche gehen, doch ich rief sie zurück: „Du willst doch nicht etwa ins Krankenhaus?“

„Natürlich, und jetzt geh bitte und zieh dir deine Schuhe an.“

„Nein, ich werde nicht ins Krankenhaus gehen!“ Sie drehte sich um.

„Komm jetzt, mach keine Späße.“

„Ich mache keine Späße.“

„Dann komm …“

„Nein“, beharrte ich.

„Schatz, komm schon, ich will nicht, dass dir irgendetwas passiert.“ Sie stützte sich in den Türrahmen und trommelte mit den Fingern gegen das Holz.

„Mir passiert nichts.“

„Ich meine auch nicht dir, sondern deiner Wunde.“ Jetzt fing sie auch noch an, ungeduldig mit dem Fuß auf dem Boden zu tippen.

„Der auch nicht. Ich geh morgen noch einmal zur Schulärztin, wenn es dich beruhigt, ja?“

 „Ich geh nur meiner Pflicht nach“, verteidigte sie sich.

„Deiner Pflicht? Ob du mich wegen einem kleinen Schnitt ins Krankenhaus bringst oder nicht, ist doch deine Entscheidung.“ Da musste ich doch recht haben.

„In anderer Sicht, meine Pflicht. Nichts Staatliches“, murmelte sie. Das verstand ich nicht. Wie konnte eine Pflicht nicht staatlich sein und auch nicht von den Eltern kommen? Wenn ich es richtig verstanden hatte. Als wäre ich irgendein privater Austauschschüler, dem ja nichts geschehen durfte, und nicht ihr Kind.

„Darf ich dich wenigstens zum Arzt bringen?“ Langsam schien sie gemerkt zu haben, dass sie mich nicht wie früher behandeln konnte,

„Macht das einen Unterschied?“, seufzte ich. „Mom, ich bin fast siebzehn!“

Jetzt musste sie lächeln. Sie kam auf mich zu und nahm mich in die Arme. „Meine Große!“

Plötzlich klingelte das Telefon. Ich löste mich zart aus der Umarmung und ging in den Flur, in dem das kleine Tischchen, eingerahmt von hunderten von Zetteln, mit dem Telefon stand.

Ich nahm das Telefon aus seiner Halterung und drückte den grünen Knopf: „Catherin Steel?“

„Hallo Cath, hier ist Freya.“

„Hey, Freya.“

„Und? Bist du im Krankenhaus gelandet?“

Ich blickte mich kurz um und sah meine Mutter in der Küchentür stehen. Als sie sah, dass ich sie entdeckt hatte, hob sie die Arme, drehte sich um und marschierte zurück in die Küche. Ich wandte mich lächelnd von der Tür ab und konzentrierte mich wieder auf das Gespräch.

„Nein, Gott sei Dank nicht.“

„Respekt! “

„Danke.“

„Und ich wollte mich noch erkundigen, ob du zu Hause angekommen und nicht doch zufällig bei Kendra gelandet bist.“ Ich glaubte, ihr verschmitztes Gesicht durch den Hörer hindurch zu spüren, so gut konnte ich es mir vorstellen.

„Nein, darauf verzichte ich gerne, wenn sie sich mit Matthew trifft. Und scheint so, als wäre ich zu Hause angekommen.“

„Ja, du hast recht, das ist besser so. Aber hab ich dir eigentlich schon erzählt, dass mich Ley ins Kino eingeladen hat? Wann, wissen wir noch nicht, aber bald.“

„Nein, schätze, war zu viel los. Aber ich finde ihr passt echt gut zusammen.“

„Finde ich auch“, hauchte sie beseelt.

„Dann bis morgen!“

„Ja, bis morgen!“

Ich wartete, bis sie aufgelegt hatte, legte das Telefon wieder in seine Halterung und ging zurück in die Küche.

Nach dem Essen ging ich direkt nach oben in mein Zimmer. Hier im ersten Stock gab es ein Bad, das Zimmer von meinen Eltern, ein Gästezimmer, das meine Mutter jedoch meistens als Arbeitszimmer benutze und mein Zimmer. Ich warf meine Tasche auf den Schreibtisch, der rechts an der hinteren Ecke an der Wand stand, und ließ mich auf das Bett gegenüber fallen. Eine Weile blieb ich einfach so liegen und starrte aus dem Fenster, bis es anfing zu nieseln. Ich stand auf, um das Fenster zuzumachen.

Kaum hatte ich den Griff umgelegt, begann es richtig zu schütten. Die Regentropfen trommelten hart auf unseren VW, der noch immer in der Auffahrt stand. Eine Weile starrte ich einfach nur hinaus, bis sich die Hausaufgaben wieder in meinen Kopf schoben. Seufzend setzte ich mich an den Tisch und kramte einen Stapel Hefte aus meinem Rucksack: Mathe, Englisch, Physik und Biologie. Für die Hausaufgaben brauchte ich heute länger als sonst, denn ich konnte mich nicht einmal auf die einfachsten Aufgaben richtig konzentrieren. Es war schon dunkel, als ich mich mit eingeschlafenen Beinen vom Schreibtisch erhob. Ich nahm meine Schlafhose und das viel zu lange T-Shirt und ging damit ins Bad um mich umzuziehen. Bevor ich die Tür hinter mir zuzog, hörte ich im Erdgeschoss das Schloss der Haustüre klicken und dann einen Schüsselbund klimpern. Ich warf meinen Schlafanzug über den Badewannenrand und wollte mich wieder umdrehen, um nach unten zu gehen, als meine Blicke im Spiegel hängen blieben. Entsetzt wurde ich von zwei karamellfarbenen Augen angestarrt. Ich war wie betäubt. Nachdem ich mich wieder einigermaßen gefasst hatte, wandte ich meinen Blick erschrocken vom Spiegel ab und starrte auf den weiß gefliesten Boden. Nein, dachte ich entsetzt, ich hatte mich doch nicht selber … Nein, das konnte nicht sein. Zögernd blickte ich noch einmal auf, doch ich schaute wieder in die gleichen bernsteinfarbenen spitzen Katzenaugen. Ja, dieselben Augen, die auch der junge Mann gehabt hatte. Ich hatte schon befürchtet, dass ich in mir diesen Mann gesehen hatte, aber es waren zum Glück nur die Augen gewesen, die mich so an ihn erinnert hatten. Nur die Augen? 

Auf einmal bekam ich Angst, als mir bewusst wurde, was ich gedacht hatte. Die Augen, er hatte meine Augen gehabt. Ich hatte in ihm meine Augen gesehen, als er aufgetaucht war, oder waren es seine gewesen? Aber wenn es nicht seine gewesen waren, sondern meine, hatte ich dann …, ja, hatte ich dann in Marc nur mich gesehen? Ein Ebenbild von mir? Oder nicht einmal ein Ebenbild, sondern das Ebenbild … mich! Ungewiss blickte ich an mir hinunter. Aber das war doch Quatsch. Ich hatte mich doch nicht in einen Jungen verwandelt und dazu noch in einen, der einige Jahre älter als ich war. Nein, so ähnlich sah ich einem Jungen nicht. Und die Muskeln, die er gehabt hatte - ich strich kopfschüttelnd über meinen Oberarm - hatte ich erst recht nicht. Das war albern! Ich spannte meinen Arm ein wenig an, doch da sah ich nichts, was Muskeln auch nur im Entferntesten ähnelten. Aber die Augen waren trotzdem dieselben gewesen, da war ich mir sicherer, als bei sonst etwas zuvor. Obwohl mir das so klar erschien, kam ich nicht darum herum, dass sich wieder Zweifel in meinen Kopf schoben. Hatten sich meine Augen nur in seinen gespiegelt und seine blieben mir weiter ungewiss? Obwohl ich vermutete, dass es anders war, musste ich diese Möglichkeit ebenfalls bedenken, da ich einen Moment gedacht, dass die leuchtend orangenen Augen auf dem Parkplatz in Matthew meinen irgendwie ein bisschen ähnelten, wenn auch nur am Rande. Ich blickte noch ein letztes Mal skeptisch in den Spiegel und lief dann die Treppe hinunter.

„Hi, Dad.“

„Hallo, Schatz.“ Henry schälte sich mühsam aus den nassen Kleidern und hängte sie vor all die trockenen Jacken.

Ich schüttelte seufzend den Kopf und kam ihm zu Hilfe, in dem ich seine Jacke über einen Stuhl hängte.

Er sah ziemlich fertig aus, was bei seinem Beruf auch kein Wunder war, deswegen fragte ich ihn: „Mom hat Lasagne gemacht, soll ich dir davon etwas aufwärmen?“

„Ja, gerne.“ Er nickte dankend, während er schon auf dem Weg ins Bad war.

Die kurzen, dunkelblonden Haare und die ersten grauen, die sich dazwischen versteckten, tropften noch immer triefnass, als er die Treppe hinaufschlurfte. Ein paar Sekunden später, ich war noch nicht einmal in der Küche angekommen, hörte ich oben die Dusche rauschen.

Ich schob ein üppiges Stück Lasagne in die Mikrowelle, stellte den Wecker und nahm mir mein Buch zur Hand, das meistens hier lag, und las ein paar Zeilen.

Nach ein paar Minuten holte mich das Piepsen der Uhr wieder zurück in die Küche und ich konnte die Lasagne gerade noch vor dem Verbrennen retten. Sobald ich den Teller neben Messer und Gabel auf den Tisch gestellt hatte, ging ich wieder hinauf. Ohne meine Mutter wäre mein Vater verloren gewesen - zumindest was das Kochen anbelangte.

Auf der Treppe traf ich Henry. „Das Essen steht unten auf dem Tisch!“

„Danke!“ Er grinste mir sein typisches, erleichtertes Grinsen zu und ich schob mich an ihm vorbei nach oben, während ich die Schritte hinter mir in Richtung Küche verhallen hörte.

Ich ging ins Bad, um mich umzuziehen, doch was ich vorfand, war nur ein klitschnasses T-Shirt und eine ebenso triefnasse Hose, die schlaff über dem Badewannenrand hingen. Typisch, mein tollpatschiger Vater. Aber diesmal schien ihn die zusätzliche Müdigkeit noch einmal konfuser zu machen.

Ich nahm meine Kleider und wrang sie aus, suchte mir einen neuen Schlafanzug und schlüpfte sofort ins Bett.

 Der nächste Tag war mild, sonnig, regnerisch und kühl. Als ich aufwachte, war ich schweißgebadet. Ich zog trotz der Hitze, die mich die ganze Nacht über gequält hatte, die Decke wieder über meine angespannten Glieder und drehte mich noch einmal um, doch diese seltsamen Menschen, von denen ich geträumt hatte, die auch der Grund für meine unruhige Nacht gewesen waren, gingen mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Ich hatte von hunderten von Menschen geträumt, die alle verschiedene äußerliche Merkmale mit dem jungen Mann mit den geheimnisvollen Augen gemein gehabt hatten. Ein paar die gleiche Frisur, andere nur die Haarfarbe, die nächsten hatten dieselbe Jacke oder Hose angehabt. Aber das Schlimmste waren die Augen gewesen. Alle diese Kreaturen hatten meine - oder seine - jedenfalls dieselben karamell-, bernsteinfarbenen Katzenaugen gehabt und mich unermüdlich angestarrt.

Kaum schloss ich meine Augen, tauchten sie wieder in meinem Kopf auf und verfolgten mich. Ich ließ sie also offen und starrte unentwegt gegen die Wand, während mich die Sonne von hinten aufwärmte. Ich blieb nicht mehr lange liegen, sondern ging bald duschen, da ich wahrscheinlich so eher die Chance hatte, den Traum aus meinen Gedanken zu treiben. Als ich zurück in mein Zimmer kam, fing gerade der Wecker an zu piepsen. Doch das Wetter hatte eine andere Meinung, da Wolken aufgezogen waren und Wind um das Haus pfiff, als würde es schon wieder Abend werden, denn von der Sonne, die mich eben noch geweckt hatte, war keine Spur.

Nachdem ich mich angezogen hatte und unten in der Küche saß, löffelte ich hastig mein Müsli. Doch obwohl ich noch jede Menge Zeit hatte, schnappte ich mir meinen Rucksack und ging zur Haustür.

„Tschüss, Mom.“

„Dir einen schönen Tag, Schatz.“

Ich wusste auch nicht so recht, was mich schon um diese Uhrzeit aus dem Haus trieb. Einerseits konnte ich es nicht erwarten, wieder unter Menschen zu kommen - was ich eigentlich nie vollkommen freiwillig tat - aber um den fremden jungen Mann wiederzusehen, war das die einzige Möglichkeit.

Doch andererseits hatte ich auch etwas Angst davor, wieder in diese bernsteinfarbenen Augen - meine Augen - zu blicken. Aber wenn ich den jungen Mann wiedersehen wollte, musste ich das ertragen und ich würde es, wenn das die einzige Möglichkeit war.

Ich schob mein Fahrrad aus dem Schuppen und schwang mich schnell auf den Sattel, da es angefangen hatte zu nieseln. An so einem Tag wäre ich wirklich froh gewesen das Auto meiner Eltern nehmen zu dürfen, aber sie mussten ja selber irgendwie zur Arbeit kommen.

In den ersten beiden Stunden hatte ich Chemie, dann Musik und Bio. Alles Fächer, in denen ich es eigentlich nötig gehabt hätte aufzupassen, doch die meiste Zeit war ich damit beschäftigt, Leute zu beobachten und ihnen so oft wie möglich in die Augen zu schauen, aber auch nie das kleinste Anzeichen von dem jungen Mann, was mich langsam unruhig machte. Aber schließlich war es erst achtundvierzig Stunden her, als ich ihm das erste Mal begegnet war, ich durfte die Hoffnung also noch nicht aufgeben.

Jetzt war es schon Mittag und ich saß ungeduldig neben Freya auf meinem Stuhl. Kendra hatte sich heute, wie eigentlich zu erwarten war, neben Matthew gesetzt und die beiden saßen am Rande der Cafeteria, in einem ruhigen Eckchen.

#IM SCHATTEN VON SANTA CRUZ 

Das Buch

Tb / Pb / S. 296 / Preis: 11,90 EUR

ISBN 978-3-942199-50-6

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